Melancholia of Virgins

  • Datum -
  • Ort
    Festivalzentrale: Atelier Augarten
  • © Paola Paredes_1 © Paola Paredes
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Im 19. Jahrhundert war die vom altgriechischen Wort für Uterus abgeleitete „Hysterie“ eines der am häufigsten diagnostizierten Krankheitsbilder. Man dachte, dass die Gebärmutter durch den Körper wandern und die Frau in eine umnachtete Kreatur ohne Verstand verwandeln würde. In Melancholia of Virgins unter- sucht Paola Paredes den Zusammenhang von Misogynie, Psychiatrie und Fotografie im 19. Jahrhundert anhand der teuflischen Experimente die der Neurologe Jean-Martin Charcot mit „hysterischen Frauen“ am Hôpital de la Salpêtrière in Paris anstellte. Die Fotografie spielte bei Charcots Vorgehen eine ganz wesentliche Rolle. Er gab seine Arbeit als Diagnostik aus und setzte medizinisch-industriell-komplexe Traumata ein, um seine Patientinnen dazu zu bringen, Symptome zu zeigen. So verwandelte er intime Momente der Verletzlichkeit in groteske Beweisstücke von voyeuristischer Theatralik. Die Fotografien sollten Anzeichen von Hysterie erfassen, stattdessen fetischisierten sie die Frauen als Objekte einer sexualisierten Geisteskrankheit.

Paredes setzt sich kritisch mit dem Weiblichkeitsbild auseinander, das Charcots Forschung und Behandlungstechnik zugrunde liegt, und unterläuft dieses, indem sie jedes Bild politisiert und die visuelle Darstellung durch eine aktuelle digitale Technologie neu definiert. Ihre handgefertigten Collagen werden zu komplexen Animationen und verwandeln ein Archiv statischer Dokumente in etwas, das die hegemoniale Ausbeutung, die es eigentlich aufrechterhalten sollte, stört. Wir sehen uns mit gesichtslosen Wiedergaben von Charcots Lieblingspatientin konfrontiert, der sechzehn Jahre alten Augustine, die durch hunderte blinzelnde, den männlichen Blick repräsentierende Augen unsichtbar wird, während ungehörte weibliche Stimmen zu weißem Rauschen werden. Jedes Bild bezieht sich auf einen bestimmten Aspekt der Misogynie, um den unethischen Ansatz der brutalen Behandlungen aufzuzeigen, die auf diesem von Männern beherrschten Gebiet durchgeführt wurden.


Künstlerin: Paola Paredes

1 Festivalzentrale: Atelier Augarten
Scherzergasse 1A, 1020


Ausstellungsdauer
09. – 27. März 2022
täglich 11:00– 19:00


Eröffnung
09. März, 17:00