Performative Fotografien der 1970er-Jahre

  • Datum -
  • Ort
    Festivalzentrale: Atelier Augarten
  • Selbst02 Annegret Soltau, Selbst, 1975 © Annegret Soltau
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Die Zeichnungen, Performances, Fotografien und Videos von Annegret Soltau kreisen um die Themen Selbsterfahrung, Mutterschaft, weiblicher Körper sowie das eingeschränkte, suchende und sich befreiende Ich. Zu Beginn ihrer künstlerischen Arbeit zeichnet Soltau Gesichter umsponnen von hauchdünnen Bleistiftlinien. Bald nimmt sie schwarzes Garn in die Hand und umwickelt sich selbst und andere Personen.

So auch in der eindrucksvollen Performance Selbst. Sie wickelt einen dünnen Faden um ihr Gesicht, wie eine zarte Berührung. Doch bald darauf sind ihr ganzes Gesicht und ihr Hals dicht eingewickelt. Das in die Haut schneidende Garn schnürt Soltaus Kopf vollständig ein, sodass sie weder sehen noch sprechen kann. Ein beklemmendes Gefühl, welches auch andere Künstlerinnen in den 1970er-Jahren angesichts einer konservativen Gesellschaftsordnung artikulieren, die Frauen auf die Rolle der Hausfrau, Mutter und Ehefrau reduziert. Doch in der vorletzten Fotografie zerschneidet Soltau das Garn und exemplifiziert damit einen Akt der Befreiung – nicht zufällig im Jahr 1975, in dem die UNO das internationale Jahr der Frau ausrief. Ab 1977 entstehen erste Fotovernähungen, die Soltau bis heute ausführt. Weibliche Körper erhalten durch Fragmentierung, Zusammensetzung und Vernähung ungeahnte neue Identitäten.

Annegret Soltau ist eine wichtige Repräsentantin der „Feministischen Avantgarde“, ein Begriff, den Gabriele Schor, Leiterin der SAMMLUNG VERBUND prägte, um die Pionierleistung dieser Künstlerinnen im Kanon der Kunstgeschichte zu verankern.


Künstlerin: Annegret Soltau

1 Festivalzentrale: Atelier Augarten
Scherzergasse 1A, 1020


Ausstellungsdauer
09. – 27. März 2022
täglich 11:00– 19:00


Eröffnung
09. März, 17:00